Mittwoch, 6. Februar 2013

heute in Religion...


Heute in Religion… ich hab fast angefangen zu heulen.

Wir haben ein Gedicht gelesen, von Dietrich Bonhoeffer…

 
Wer bin ich?

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,

ich träte aus meiner Zelle

gelassen und heiter und fest

wie ein Gutsherr aus seinem Schloß.

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,

ich spräche mit meinen Bewachern

freu und freundlich und klar,

als hätte ich zu gebieten.

Wer bin ich? Sie sagen mir auch,

ich trüge die Tage des Unglücks

gleichmütig, lächelnd und stolz,

wie einer, der Siegen gewohnt ist.
 

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?

Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?

Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,

 ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,

 hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,

 dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,

 zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,

 umgetrieben vom Warten auf große Dinge,

 ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,

 müde und zu leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,

 matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?

 Wer bin ich? Der oder jener?

 
Bin ich denn heute dieser und morgen ein anderer?

 Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler

 und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?

 Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,

 das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?

 

Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.

 Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!

 

 
Daraufhin mussten wir eine sehr persönliche Aufgabe erfüllen bei der ich am liebsten heulend rausgerannt wäre…

 

Stellt euch einmal diese Fragen…

Wer bin ich?

Andere sagen mir oft…

Bin ich das wirklich,

was andere von mir sagen?

Oder bin ich das,

was ich selbst von mir weiß?

Ich bin…

Wer bin ich?

Bin ich heute dieser und morgen ein anderer?

Welche Rollen nehme ich meinem Leben  ein?