Heute in
Religion… ich hab fast angefangen zu heulen.
Wir haben
ein Gedicht gelesen, von Dietrich Bonhoeffer…
Wer bin ich?
Sie sagen mir oft,
ich träte
aus meiner Zelle
gelassen und
heiter und fest
wie ein
Gutsherr aus seinem Schloß.
Wer bin ich?
Sie sagen mir oft,
ich spräche
mit meinen Bewachern
freu und
freundlich und klar,
als hätte
ich zu gebieten.
Wer bin ich?
Sie sagen mir auch,
ich trüge
die Tage des Unglücks
gleichmütig,
lächelnd und stolz,
wie einer,
der Siegen gewohnt ist.
Bin ich das
wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich
nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig,
sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer
die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach
Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher
Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und
kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser
Ferne,
müde und zu leer zum Beten, zum Denken, zum
Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?
Wer bin ich? Der oder jener?
Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein
Heuchler
und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger
Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem
geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem
Sieg?
Wer bin ich?
Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin
ich, o Gott!
Stellt euch
einmal diese Fragen…
Wer bin ich?
Andere sagen
mir oft…
Bin ich das
wirklich,
was andere
von mir sagen?
Oder bin ich
das,
was ich
selbst von mir weiß?
Ich bin…
Wer bin ich?
Bin ich
heute dieser und morgen ein anderer?
Welche
Rollen nehme ich meinem Leben ein?
…